Körperorientierte Traumatherapie

"Das innere Empfinden für die Bewegung der Lebensenergie ist wie ein wortloses Wissen, wer wir sind"

Somatic Experiencing (SE) wurde von dem amerikanischen Trauma-Forscher Dr. Peter Levine in den letzten 40 Jahren entwickelt. "Trauma" ist eine komplexe psycho-physiologische Reaktion des gesamten Organismus auf lebensbedrohliche oder überwältigende Situationen. Wenn Bewältigungsreaktionen nicht vollständig abgeschlossen werden können, bleibt eine Störung der Selbstregulation im Nervensystem weiter wirksam. Vegetative aber auch psychische und somatische Symptome können anhaltende Folgen sein. So kann z.B. die nicht gelungene Flucht in einer schwierigen Kindheitssituation noch immer im Nervensystem wirksam sein und Symptome produzieren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "Körpergedächtnis". 

Jedes erlebte "Trauma" hat seine eigene physiologische Reaktionsweise:

Starker Aufprall z.B. Autounfall

Stürze z.B. Skiunfall, Fallen von einer Leiter

Kennzeichen sind die Einwirkung starker Kräfte (Schwerkraft, Aufprall, Beschleunigung, Abbremsen, Verdrehung), in denen wir plötzlich das Gleichgewicht verlieren. Folgesymptome können sein: Benommenheit, Gleichgewichtsprobleme, Orientierungsschwierigkeiten, erhöhtes Gefühl der Verletzlichkeit, Ängste, Überkontrolle, Ungeschicklichkeit, Höhenangst, Vermeidungsreaktionen, Wiedererleben im Traum. 

In der therapeutischen Arbeit geht es darum, die Orientierungsreaktionen wieder herzustellen und die körperlichen Verteidigungsreaktionen zu Ende zu bringen. Ziel ist die "Neuverhandlung" des Traumas, die Auflösung der Überwältigung und die Integration in die eigene Lebensgeschichte. Die zuvor blockierte Lebensenergie steht einem dann wieder für das Leben im Hier und Jetzt zur Verfügung. 

Unvermeidbarer Angriff z.B. durch Tiere, Menschen, Fahrzeuge

Nach einem Trauma dieser Art treten häufig folgende Symptome auf: übermäßige Angst, das Gefühl, die Welt ist kein sicherer Ort, Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht; Schlafprobleme; unkontrollierbare Wut; Festzustecken in einem Muster wie die Schwierigkeit sich zu binden oder sich festzulegen; vermehrt das Gefühl der Hilflosigkeit, natürliche Wutreaktionen unterdrücken, sich nicht schützen können.  

Ziel der therapeutischen Arbeit ist die Wiederherstellung der Verteidigungs- und Orientierungsimpulse um diese zu vervollständigen und die geblockte Energie abzubauen. 

Emotionale Traumen wie Vernachlässigung, Tod wichtiger Bezugspersonen, Flucht, Armut...  

Nach erlebten emotionalen Traumen treten oft folgende Symptome auf: fehlender Kontakt zu sich, geringes Selbstwertgefühl, Gefühl der Hilflosigkeit, Angst vor Verlassen werden, impulsive Verhaltensweisen, schwache Grenzen, Unsicherheit und Bindungsprobleme, Störungen des Immunsystems, Allergien, starke Unruhe; Scham und Schuldgefühle. 

Ziel der therapeutischen Arbeit ist Stärkung der Präsenz im Hier und Jetzt, Umgang mit den schwierigen Gefühlen, Gefühle langsam spüren lernen, sie benennen und angemessen ausdrücken können. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen und ausdrücken, eigene Grenzen spüren und ausdrücken, Regulierung der oft hohen inneren Aktivierung, Unterstüzung und Orientierung für die eigene Lebensgestaltungen erweitern, Beziehungen schützen und regulieren. 

Zu weiteren traumatischen Erfahrungen zählen Naturkathastrophen, hohes Fieber, medizinische Eingriffe, Erfahrung fast zu ertrinken oder zu ersticken, Miterleben wenn jemand anderer in Gefahr ist. 

Unsere gesamte Biologie ist auf Überleben ausgerichtet, neuronale Programme versuchen dies zu sichern indem sie die Kampf- oder Fluchtreaktion mobilisieren oder im Falle des nicht reagieren könnens das innere Abschalten als letzmögliche Überlebensreaktion aktivieren. 

"Somatic experiencing" bietet ein therapeutisches Vorgehen, das unserem Nervensystem hilft, die mobilisierte und steckengebliebene Energie kleinschrittig abzubauen. Gelingt dies, sind wir wieder in der Lage die Breite der Gefühle zu erleben und unseren Handlungsspielraum zu erweitern. Die gewonnene Kraft kann gezielt für das eigene Leben eingesetzt werden, wir können uns in uns selbst und in der Welt wieder sicher fühlen.